In das verschlafene „Venedig des Nordens“ versetzt uns der oscarprämierte Regisseur Martin McDonaghs mit seinem rabenschwarzen Thriller „Brügge sehen... und sterben?“.
Nach ihrem letzten, nicht ganz planmäßig verlaufenden Auftrag in London sehen sich die beiden Profikiller Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Collin Farrell) in der belgischen Stadt Brügge wieder, wo dem einen das touristische und kulturinteressierte Herz bis zum Hals schlägt und dem anderen die Langeweile der Stadt, welche weder genügend Kneipen, noch sonst irgendetwas Relevantes zu bieten hat, was für einen echten Berufsmörder der Londoner Unterwelt auch nur ansatzweise von Interesse sein könnte, im Gesicht geschrieben steht. Prallen der dauerpöbelnde Grobmotoriker und der vorbildliche irische Tourist nun schließlich auf ihren Boss, welcher eine ganz klare Linie in seinem Geschäft verfolgt, entsteht natürlich genügend Konflikt- und Gewaltpotential. Bezüglich ihrer Visualisierung lässt „Brügge sehen… und sterben?“ dann auch kaum Wünsche offen. Mit lakonisch anmutendem Kamerablick wird geschossen, geschlagen, geblutet und dabei mit so urkomischen Dialogen oder Handlungen umrandet, dass man manchmal ganz vergessen könnte, dass es sich gerade um eine ziemlich gewalttätige Auseinandersetzung handelt.
In der Kombination der hervorragenden schauspielerischen Leistungen, der romantischen Kulisse und der beinharten Dialoge hat McDonaghs eine wunderschöne Brit-Actionkomödie geschaffen, welche zeigt, dass schon wie bei „Hot Fuzz“ der britische Humor die Lachmuskeln garantiert nicht ermüden lässt.
Michael Doering

