Wir befinden uns tief in der nordfranzösischen Provinz, in einem Dorf, das eher die Bezeichnung „Häuseransammlung“ verdient. Hier leben ein Landarbeiter und ein Büroangestellter in herzlicher Feindschaft auf gegenüberliegenden Seiten der Hauptstraße. Es vergeht kein Tag, ohne dass einer der zwei versucht, dem anderen das Leben schwer zu machen und das Starten des knatternden Zweitakt-Motorrads während der Mittagsruhe ist noch eine der netteren Aktionen.
Eines Tages kommt es zur Eskalation als der Motorrad-Fan dem Arbeiter durch das frisch angelegte Feld fährt und die zwei erwachsenden Männer beginnen, ihre Differenzen wie Grundschüler mit den Fäusten auszudiskutieren. Bis es zu einem Defekt an der Erntemaschine (Marke „Aaltra“) kommt und beide unter einer riesigen Schaufel begraben werden. Im Krankenhaus wachen sie in benachbarten Betten auf und stellen entsetzt fest, dass sie von nun an als Querschnittsgelähmte ein Leben im Rollstuhl fristen müssen.
Nach dieser Zäsur verfolgt jeder eigene Pläne: Während einer sich auf den Weg nach Finnland macht, um die Herstellerfirma der Landmaschine zu verklagen, möchte der andere endlich die Motocross-Legende Steven Everts live erleben. Doch schon am nächsten Bahnhof kreuzen sich die Wege der zwei Streithähne und sie beschließen widerwillig, den anstehenden Roadtrip quer durch Europa gemeinsam zu bestreiten.
Über Behinderte zu lachen mag normalerweise verachtenswert erscheinen, aber das Regisseuren-Duo Delépine/de Kervern schafft es auf sehr intelligente Weise, die knochentrockenen Gags nicht aus der eigentlichen Behinderung, sondern aus den daraus resultierenden Situationen und dem Verhalten der zwei Männer zu gewinnen. Die zwei sind nämlich alles andere als lammfromme Behinderte, die das Mitleid des Zuschauers wecken, sondern benehmen sich eher wie zwei egozentrische Rollstuhl-Rowdies auf einem Amoklauf. Und über die kann man schon mal lachen.
Auf der technischen Seite überzeugt „Aaltra“ mit einer grobkörnigen Schwarzweiß-Optik, die die den in Dialogen und Story vorherrschenden Minimalismus unterstützt und dem Film das sympathische Ambiente eines typischen Festivalfilms verleiht.

