Truman Capote: Er war einer der schillerndsten Literaten des 20. Jahrhunderts und lieferte nach seinem Erfolg „Frühstück bei Tiffany“ mit „Kaltblütig“ den Startschuss für ein neues Genre in der Literatur: den Tatsachenroman.
Ursprünglich soll der Schriftsteller Capote (gespielt von Philip Seymour Hoffman) einen Artikel über einen Mordfall in Kansas für die New York Times schreiben. Allerdings veranlasst die Aufklärung über die Ermordung einer vierköpfigen Familie Capote zu einen Roman. Begleitet von seiner Muse und der Schriftstellerin Nelle Harper Lee („To Kill A Mockingbird“), dargestellt von Catherine Keener, reist er zum Unglücksort um den Fall zu recherchieren.
Als die beiden Täter gefasstwerden und Capote intensiv Interviews mit allen Beteiligten durchführt, ist es gerade der intelligente Perry Smith – einer der beiden Mörder – der ihn in seinen Bann zieht. Das Abhängigkeitsverhältnis der beiden bildet den Haupthandlungsstrang des Filmes. Die innere Einsamkeit und die teilweise bis zur Amoralität gesteigerte Egozentrik Capotes verbinden ihn mit Smith.
Etwaige Empathie für die zum Tode Verurteilten tritt jedoch hinter dem Wunsch nach dem perfekten Roman und dem eigenen Ruhm zurück.
Kaltblütig waren nicht nur die Morde, kaltblütig ist auch das Kalkül des Schriftstellers, für den aus Realität Kunst werden soll.
Das gelingt Capote in seinem Buch durch seinen detailversessenen Stil, wodurch er eine Verbindung zwischen Journalismus und Literatur herstellt.
Mit seinem Regiedebüt gelingt Bennett Miller ein faszinierendes Porträt über einen der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. So schildert der Film die wahren Hintergründe, vor allem aber will er die wirklichen Beweggründe menschlichen Verhaltens aufweisen. Durch die Vorlage von Originalbriefen findet man an einzelnen Stellen des Filmes Zitate der Gefangenen und Capotes. Oscar-Preisträger und Golden Globe-Gewinner Philip Seymour Hoffman stellte durch diesen Film erneut sein Können unter Beweis.
Sophie Lübben

