Eine gutbürgerliche Familie in Paris. Der Vater Georges Laurent ist Fernsehmoderator, die Mutter Anne Laurent Verlagslektorin. Ein 12jähriger Sohn Pierrot, der Stolz der Familie. Sie sind erfolgreich, selbstzufrieden und intellektuell scheinbar gegen alles gefeit.
Doch dann bekommen sie Videos geschickt, auf dem ihr eigenes Haus zu sehen ist. Zwei Stunden lang sieht man das Kommen und Gehen- ohne jeden Kommentar. „Ich sehe euch- aber ihr seht mich nicht“? Und nicht nur das, es folgen weitere Briefe mit verstörenden Kinderzeichnungen. Ein Kopf, aus dem Blut quillt. Ein Hahn, der geschlachtet wird. Bedeutet dies: „Ich töte euch“? Oder „Ich töte und ihr seid die Zuschauer“?
Durch diese Bilder kommt ein lange verdrängtes, schreckliches Geheimnis aus Georges’ Kindheit wieder zum Vorschein. Etwas, das mit seiner erfolgreichen Fassade nicht zu vereinbaren ist und worüber er mit niemandem sprechen kann. Dieses etwas verfolgt ihn in seinen Träumen solange, bis es ihn völlig und endgültig vernichtet hat. Der Absender der Bilder muss gar nicht in Erscheinung treten, um sich an Georges zu rächen, Georges zerstört sich selbst. Die Illusion der glücklichen Familie lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.
Caché ist ein vielschichtiger Film. Zum einen seziert Michael Haneke hier die bürgerliche Idylle und die Prizipien, auf denen sie beruht, wie z.B. die angebliche Liberalität der Multi-Kulti-Gesellschaft. Zum anderen beschäftigt Haneke sich, wie schon in seinem überaus brutalen Film „Funny Games“, mit der Gewalt in den Medien und ihrem Konsum. Caché behandelt das Thema subtiler, mit scheinbar leichter verdaulichen Bildern, jedoch nicht weniger kaltherzig und grausam. Der Zuschauer wird zum genauen Hinschauen gezwungen, so dass sich die Unsicherheit, die die Bänder bei der Familie erzeugen, im Laufe des Films auf den Zuschauer überträgt. Es gibt keine eindeutige Auflösung und es gibt keinen Trost für ihn.
Für Caché bekam Michael Haneke in Cannes 2005 den Preis für die beste Regie, außerdem im Dezember 2005 den europäischen Filmpreis 2005.
Caecilie von Teichman

