Ein rosaroter Brief geht auf die Reise: aus dem Postkasten, über Laufbänder, in Transportern, durch die Hände vieler Postangestellter, inklusive derer des Briefträgers – zu Don.
Don Johnston (Bill Murray) ist ein Mann in seinen besten Jahren, scheint seinen Elan aber schon an sein Leben als erfolgreicher IT-Geschäftsmann verloren zu haben. Phlegmatisch klebt er auf der Couch vor dem Fernseher, stilsicher (?) gekleidet in einem braunen Trainingsanzug. Regungslos nimmt er hin, wie seine wesentlich jüngere Freundin Sherry durch die Tür seines Hauses entnervt aus seinem Leben verschwindet, während durch den Briefschlitz oben erwähnte Postsendung segelt.
Offenbar von einer seiner zahlreichen verflossenen Liebschaften versandt, erfährt Don auf diesem Wege von der Existenz eines Sohnes, von dem er bis dato keinen blassen Schimmer hatte. Dumm nur, daß der Brief keinen Absender erkennen lässt - und so nimmt Don wieder vor dem Fernseher Platz, scheinbar völlig unberührt von der Nachricht, die anderen Männern Schweißperlen auf die Stirn und/oder Freudentränen in die Augen treiben würde. Erst sein lebensfroher Nachbarskumpel Winston kann den bräsigen Stubenhocker dazu nötigen, die Herausforderung anzunehmen und den Dingen auf den Grund zu gehen.
Ausgestattet mit einer Liste potentieller Mütter aus Dons früherem Leben, kreiert Hobby-Detektiv Winston einen Plan, der den zunächst widerspenstigen Don auf einen Road-Trip quer durch die USA schickt, in eine zwanzig Jahre zurückliegende Vergangenheit und zu vier Frauen, die schon fast vergessen schienen. Und so ist Don nicht nur auf der Suche nach seinem Sohn, sondern auch sich selbst.
Der so charakteristische subtile Humor, der sich wie ein roter Faden durch alle Filme Jarmuschs zieht, wird wohl von niemandem so großartig umgesetzt wie von Sparmimiker Murray. Es ist ein Genuß, die an Skurrilität nicht zu überbietenden Szenen als stiller Beobachter zu verfolgen und, ähnlich wie Don, die Puzzleteile zu einem Ganzen zu fügen.
Matthias Irmscher

