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Archiv, 15.11.2005

21:00 Uhr ()   

 
American Splendor
 
Produktion: USA 2004
Regie: Shari Springer Bernan, Robert Pulcini
Drehbuch: Shari Springer Bernan, Robert Pulcini
Kamera: Terry Stacey
Musik: Mark Suozzo
Schauspieler: Paul Giamatti, Harvey Pekar, Hope Davis, Joyce Brabner
Technik: Farbe, 101 min, 35 mm
 

„This is all stupid!“.

Harvey Pekar, kongenial verkörpert von dem oft unterschätzten Paul Giamatti, ist nicht gerade das, was man einen positiv eingestellten Menschen nennen könnte. Außer dem Sammeln seltener Schallplatten besteht sein Leben vor allem aus einem langweiligen Bürojob im örtlichen Krankenhaus und seiner Lieblingsbeschäftigung: sich über die banalen Schwierigkeiten des Alltags aufzuregen. Daran ändert sich auch nichts, als er am LP-Stand eines Flohmarkts Robert Crumb kennenlernt – Schöpfer der Kultfigur „Fritz the Cat“ und aufstrebender Star der Underground-„Comix“-Szene.

Inspiriert von dieser Begegnung, beginnt Pekar damit, die skurrilen Situationen und seltsamen Typen seines täglichen Lebens in Comicform aufzuzeichnen. Die autobiographisch geprägte Anthologie-Reihe „American Splendor“ wird zunächst zum Geheimtipp der Szene und schließlich selbst zum Kult. Doch auch als ihm seine Comics nicht nur zu Berühmtheit und Anerkennung, sondern sogar zu Frau und Kind verhelfen, ändert sich nichts an seiner Lebenseinstellung, und das Geld, das ihm Auftritte in der Letterman-Show oder die mit dem Will-Eisner-Preis ausgezeichnete Graphic Novel „Our Cancer Years“ einbringen, legt er immer noch am liebsten in Schallplatten an...

Wie sich auch die Vorlage vom Comic-Mainstream durch schrägen Humor, künstlerischen Einfallsreichtum und einen ausgeprägten Realismus abhob und die Stellung des Mediums als ernstzunehmende Unterhaltung für Erwachsene festigte, unterscheidet sich die Comicverfilmung „American Splendor“ von den gerade im Trend liegenden Superhelden-Filmen a la „Spider-Man“ und „Batman“ wie Tag und Nacht. Mit kurzen Comic- und Zeichentricksequenzen, Mitschnitten von Fernseh-Aufzeichnungen oder „Behind-the-Scene“-Auftritten von Harvey, seiner Familie und seinen Freunden lässt das ursprünglich vom Dokumentarfilm stammende Regie-Ehepaar Shari Springer Berman und Robert Pulcini  gekonnt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen.

Die so entstandene Mischung aus Spielfilm und Dokumentation ist nicht nur eine ebenso witzige wie respektvolle Verbeugung vor den American-Splendor-Comics, sondern auch das Porträt eines der skurrilsten Charaktere der amerikanischen Independent-Comicszene. Eine absolut sehenswerte, visuell einfallsreiche Verfilmung eines durchschnittlichen und dennoch außergewöhnlichen Lebens, getreu dem Motto: „Ordinary life is pretty complex stuff“.

 

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.