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Archiv, 25.11.2004

21:00 Uhr ()   

 
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
 
Produktion: Frankreich / China 2002
Regie: Dai Sijie
Drehbuch: Dai Sijie, Nadine Perront
Kamera: Jean-Marie Dreujou
Musik: Wang Pujian
Schauspieler: Zhou Xun, Chen Kun, Liu Ye, Wang Shuangbao, Cong Zhijun
Technik: 35mm, Farbe, 111 min
 

Vor einer atemberaubenden Landschaftskulisse erzählt Dai Sijie eine poetische Liebesgeschichte in der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution.
Die Universitäten sind noch geschlossen. Nach Abschluss der Oberschule werden der 17-jährige Ma und der 18-jährige Luo wie viele andere junge Städter zur Umerziehung durch die „revolutionären Bauern” aufs Land geschickt, um die Einflüsse ihrer bourgeoisen Familien zu kompensieren. Es verschlägt sie in ein einsames Bergdorf am Phönix-des-Himmels im Distrikt Yong Jing. Unter der strengen Aufsicht des Dorfvorstehers sollen die jungen Männer aus der Stadt die Dorfbewohner bei ihrer alltäglichen, harten Arbeit unterstützen.
Eines Tages lernen die zwei die entzückende Tochter des Schneiders aus dem Nachbardorf kennen und freunden sich mit ihr an. Ohne recht zu wissen, was mit ihnen geschieht, verlieben sich Luo und Ma in das Mädchen. Luo entdeckt, dass er mit Geschichten erzählen eine Chance bei der von vielen begehrten kleinen Schneiderin hat. Aber woher immer neue Geschichten nehmen?
Die Tochter des Schneiders erzählt ihnen, dass ein anderer Verbannter, der ‚Brillen Schang’, einen ganzen Koffer verbotener europäischer Literatur mit in die Verbannung genommen haben soll. Ma und Luo beschließen dem ‚Brillen Schang’ bei seiner Arbeit zu helfen und erhalten als Dank einen schmalen Roman von Balzac. Eine Liebesgeschichte, die ihr Leben verändern wird....
Die Geschichte könnte genauso gut 15 Jahre früher oder später spielen. Das China, das wir sehen, erscheint zeitlos rückständig. Alle Ziele der drei Helden sind Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten: Lesen dürfen, was man lesen will; seinen Aufenthaltsort frei wählen; Kinder bekommen — oder eben nicht —, ohne durch demographisch motivierte Gesetze beschränkt zu werden.
„Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ ist mit Ironie auf die politischen Verhältnisse gespickt, trotzdem kein vielschichtiges Gesellschaftsporträt, sondern eine poetische und bewegende Dreiecksgeschichte, die ihren großen Nachhall aus der Frage zieht, welche Rolle Literatur für unser Leben spielt. Ein weiser Film über die Liebe und die Literatur.

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.