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Archiv, 01.07.2004

21:00 Uhr ()   

 
21 Gramm
 
Produktion: USA 2003
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Kamera: Rodrigo Prieto, Fortunato Procopio
Musik: Dave Matthews, Gustavo Santaolalla
Schauspieler: Sean Penn, Benicio Del Toro, Naomi Watts
Technik: 35mm, Farbe, 125min
 

Das Kokain? Eine der Pistolenkugeln? Oder der Check Hollywoods? Die Ambitionen des Mexikaners Alejandro González Iñárritu, dessen erste Hollywoodproduktion in Puzzlesteinen auf den Zuschauer einprasselt, wiegen gewiss mehr als «21 Gramm». Er und sein Starautor Guillermo Arriaga orakeln, dies sei die Masse, die uns mit dem letzten Atemzug entweiche: die Seele?

Die Geschichte wird nicht chronologisch, sondern assoziativ erzählt: eine Szene in einer Fruchtbarkeitsklinik prallt brutal gegen eine Todesnachricht in einem andern Hospital, die wiederum gegen eine Geburtstagsfeier. Mienen, Gesten, immer deutlicher zeichnen sich ihre Bedeutungen und Verbindungen ab. Im Zentrum des Puzzles steht ein Autounfall, der Schicksalsschlag, welcher den Zeit-Raum des Films zersplittert und die Figuren zusammenführt: Den zum Christentum konvertierten Ex-Sträfling Jack (Benicio Del Toro); Cristina, deren Familie er auslöscht (Naomi Watts); und Paul, einem sterbenden Uniprofessor (Sean Penn), dem das Herz ihres Gatten eingepflanzt wird.

Eine berührende Tragödie, die großartiges Schauspielerkino ist. Dass die Herren Penn und Del Toro schon seit Jahren eigentlich das Großartigste an ihren jeweiligen Filmen sind, ist ja landläufig bekannt, wie gut aber Newcomerin Naomi Watts mithält, ist schon erstaunlich. Iñárritu weiß ganz offenbar, welche Schrecken hinter Begriffen wie „Einsamkeit“, „Lebensangst“, „Verzweiflung“ stecken. Den Unfall, auf den wir die längste Zeit gefasst sind, lässt er uns nur hören. Er zeigt vielmehr stumme Trauer: Cristina, die wieder und wieder die letzte telefonische Nachricht ihres Manns abspielt; ins leere Zimmer der Kinder blickt; an deren Wäsche riecht. Als Cristina und Paul ihr Schicksal mit einer Pistole in die eigenen Hände nehmen wollen, hebt auf der Tonspur ein (göttliches?) Tosen an, das die Bilder unter sich begräbt. Seine Schauspieler unterstützen ihn dabei voller Hingabe. In den stärksten Momenten sieht es so aus, als legen sie wirklich ihre Seele frei.

 

http://www.nzz.ch

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.