Ödipus, mehrfach verdreht
Dass in der Hauptstadt des kalten Island die Nächte besonders heiß seien, gehört zur touristischen Allgemeinbildung. Dieser Film bestätigt das Gerücht: Hlynur interessiert sich in erster Linie für Bier und Bars; weniger für die Frauen, mit denen er anschließend die Nacht verbringt. Der 28jährige lebt bei Mama und kann partout nicht einsehen, warum er sich eine eigene Wohnung oder gar eine Stelle suchen sollte; er genießt das Nichtstun. Als seine Mutter jedoch ihre Flamencolehrerin Lola über Weihnachten einlädt, wird dieses schöne Lebenskonzept durcheinander gebracht.
Für Mitteleuropäerinnen lebt der Film (101 ist übrigens die Nummer des Postkreises, in dem Hlynur sich ausschließlich aufhält) zum Teil von der Exotik des hohen Nordens, von Nächten, die nicht aufhören und einer Landschaft ohne Bäume. Kormákur allerdings verzichtet darauf, diesen Heimvorteil über Gebühr auszuschlachten; er vermittelt den Eindruck, es handle sich um einen Film von Isländern für Isländer, der mit seinen liebenswert-schrulligen Figuren und seinem Humor nur zufällig auch für Ausländer/Innen eine ausgesprochen vergnügliche Angelegenheit ist.

