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Archiv, 28.10.2003

21:00 Uhr ()   

 
City of God
 
Produktion: Brasilien 2002
Regie: Kátia Lund, Fernando Meirelles
Drehbuch: Bráulio Mantovani
Kamera: César Charlone
Musik: Antônio Pinto, Ed Côrtes
Schauspieler: Alexandre Rodrigues, Leandro Firmino da Hora, Phelipe Haagensen
Technik: 35mm, Farbe, 128 min
 

Ein Inferno in schönen Bildern. Hochästhetisiertes Elend. Ein Schlag in die Wahrnehmung. Der höllische Alltag der Ghetto-Kids in Rio - ein Leben zwischen Drogen, Gewalt, Prostitution und Bandenkriegen. Die Apokalypse ist in der "Cidade de Deus" bereits zum Alltag geworden. "Stadt der Götter" - so der Name des Ortes, an dem die Karriere der beiden Protagonisten beginnt. Buscapé will Fotograf werden und wird schließlich bekannt durch die Bilder von Dadinho und seiner Bande, der einen Weg als brutaler Drogendealer und Killer einschlägt. Fernando Meirelles hat einen Bestseller zum Film gemacht - die Lebensgeschichte des Lehrers Paulo Lins, der in seinem Roman eine harte Kindheit im Ghetto resümiert. Der Film katapultiert mit seinem rasanten Tempo und der schönen Fotografie die Brutalität hart an die Grenzen des Erträglichen.
Fernando Meirelles Film trifft die brasilianische Gesellschaft ins Mark. Die Brutalisierung der kriminellen Milieus, das Auseinanderdrifften der Schichten, die allgegenwärtige Korruption und die fatalen Auswirkungen eines internationalisierten Drogenmarktes, all das lässt der Regisseur in seiner Geschichte aufscheinen. Er bietet keine Lösung, er erhebt sich nicht zum Moralapostel. Keine soziale Anklage sei sein Ziel gewesen, sondern die Zuschauer "emotional in die Atmosphäre einer Favela zu versetzen". Und das ist ihm mit über 200 Laiendarstellern gelungen: packend, authentisch, desillusionierend.
Brasiliens Staatspräsident Luis Inácio "Lula" da Silva hat sich von Fernando Meirelles den Film vorführen lassen. Die Folge: Schulen sind geplant, Kultur- und Sportzentren sollen in dem jetzt berühmtesten der 60 Slums von Rio de Janeiro entstehen. Auch deshalb darf der Film ein eigentlich unmögliches Happy End haben.

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.