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Archiv, 15.04.2003

21:00 Uhr ()   

 
11'09''01 - September 11
 
Produktion: Frankreich 2002
Regie: Samira Makhmalbaf, Claude Lelouch, Youssef Chahine, Danis Tanovic, Idrissa Ouedraogo, Ken Loach, Alejandro Gonzalez Inarritu, Amos Gitai, Mira Nair, Sean Penn, Shohei Imamura
Musik: Alexandre Desplait
Schauspieler: Maryam Karimi, Emmanuelle Labroit, Dzana Pinjo, Lionel Zizréel Guire, Vladimir Vega, Keren Mor, Tanvi Azmi, Ernest Borgnine,Tomorowo Taguchi
Technik: 35 mm130 min
 

Statt aufeinander einzuprügeln, haben sich elf renommierte Filmemacher aus aller Welt zusammengetan, um ihre Sicht auf den Terroranschlag vom 11.September zu dokumentieren. Jeder Beitrag ist genau elf Minuten, neun Sekunden und ein Bild lang. Gemeinsam ist allen Beteiligten der Ekel vor dem Terror und eine (unterschiedlich große) Distanz zu Bush-Amerika.
Der Ägypter Youssef Chahine (L'autre) versucht, in einem fiktiven Gespräch mit einem 1983 in Beirut ermordeten US-Soldaten und einem Selbstmordattentäter, die Motive der Wut auf die USA herauszuarbeiten. Die Inderin Mira Nair (Monsoon Wedding) stellt die Islamophobie nach dem Anschlag an den Pranger: Ein verschwundener Pakistani wird als Terror-Komplize bezichtigt, seine Familie drangsaliert. Am Ende kommt heraus, dass er bis zu seinem Heldentod in den Trümmern des WTC Überlebenden geholfen hat. Noch kompromissloser geht der Brite Ken Loach (Bread And Roses) zur Sache. In bester Agit-Prop-Manier erinnert er an einen anderen 11.September, den des Jahres 1973, als in Chile der sozialistische Präsident Salvador Allende (und in den Monaten danach Tausende Pinochet-Gegner) mit Billigung der CIA ermordet wurden. Diese Episode (obgleich nicht schärfer als eine ähnliche in „Bowling for Columbine“) soll den Film einen Verleih in den USA gekostet haben.Direkt an den Ort des Terrorgeschehens wagen sich nur zwei Filme heran. Claude Lelouch erzählt von einer tauben Frau, die erst angesichts ihres entstellten Geliebten das Inferno wahrnimmt. Dass die Katastrophe auch Hoffnung gebären kann, zeigt sehr poetisch Sean Penn (Das Versprechen): In das dunkle Kabuff eines einsamen alten Manns fällt nach dem Zusammenbruch der Türme plötzlich grelles Sonnenlicht.
Zusammen sind sie dennoch ein Beweis für den Reichtum und die Lebendigkeit des gegenwärtigen Weltkinos, das über die politischen und sozialen Verhältnisse in der Welt nicht mehr hinwegsehen möchte. Nicht zuletzt ist „11’09’’01“ auch ein Gegenentwurf zu jener von der Wirklichkeit abgeschotteten Trutzburg mittelmä! !
ßiger Fantasie namens Hollywood.

http://www.tagblatt.de

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.