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Archiv, 07.01.2003

21:00 Uhr ()   

 
Aguirre, der Zorn Gottes
 
Produktion: Deutschland 1972
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Kamera: Thomas Mauch
Musik: Popol Vuh
Schauspieler: Klaus Kinski, Helena Rojo, Del Negro, Ruy Guerra
Technik: 35mm, Farbe, 93min
 

WENN ICH WILL, DASS DIE VÖGEL TOT VON DEN BÄUMEN FALLEN,
DANN FALLEN DIE VÖGEL TOT VON DEN BÄUMEN.
ICH BIN DER ZORN GOTTES.
DIE ERDE, ÜBER DIE ICH GEHE, SIEHT MICH AN UND BEBT.

An einem nebligen Berghang in den peruanischen Anden ist eine Kolonne Menschen mit dem Abstieg beschäftigt. Im Angesicht des Bergmassivs wirkt das europäische Expeditionskommando wie eine Ameisenkolonne auf dem Weg zu neuen Jagdgründen.
Wir schreiben das Jahr 1561.

Die Renissance hatte in Europa die dunkle mittelalterliche Ära in eine neue aufgeschlossene Epoche geführt. Die Reformation war in vollem Gang und Galileo noch nicht geboren. Der römisch – deutsche Kaiser Karl V. sah sein Ende kommen und gab die spanische Krone an seinen Sohn Phillip II. und später den Kaisertitel an seinen Bruder Ferdinand ab. Die Landung Columbus’ auf dem amerikanischen Kontinent liegt 69 Jahre zurück.

Im Auftrag der spanischen Krone und unter Leitung des Conquisitadors Gonzalo Pizarro brechen spanische Edelmänner und Soldaten in die unwirtliche Vegetation des Amazonas vor, um einer Legende habhaft zu werden: der sagenumwobenen Goldstadt El Dorado. Hunger, Fieber und Überfälle der Indianer dezimieren die Zahl Expeditionsmitglieder rasch und zermürben die Übriggebliebenen. Schließlich bricht eine Meuterei aus, an dessen Spitze sich Lope de Aguirre stellt. In ihm hat sich die Goldgier in irrsinnige Besessenheit verwandelt, die ihn nun antreibt, unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf Verluste zum Meer zu gelangen, um Neuspanien an sich zu reißen und dort mit seiner 15 Jährigen Tochter eine neue „reine“ Dynastie zu gründen.

Wer besser wäre wohl für die Rolle des Lope de Aguirre geeignet gewesen, als der Ausnahmeschauspieler Klaus Kinski. „Aguirre“ ist der Auftakt einer überaus fruchtbaren Zusammenarbeit Kinskis mit Regisseur Werner Herzog, trotzdem sich zwischen beiden nie ein harmonisches Verhältnis einstellen ließ. In diesem ersten großen Herzog- Film jedoch geht es nicht um den Rausch der Macht und des! !
Goldes,
die Brutalität oder die frömmelnde Ignoranz der katholischen Eroberer. Es geht auch nicht um die kaum erwähnenswerte Qualität der Dramaturgie und Dialoge. Es geht eigentlich nur um die Bilder. Bilder, untermalt von rauschhafter Popol- Vuh- Musik, die es letztlich dem Zuschauer möglich machen, sogar das totale Abwerfen des humanistischen Anspruchs nachzuvollziehen. Das Delirium, das am Ende der Dreharbeiten auf Regisseur und Protagonisten gleichsam übergesprungen zu sein schien, hatte wohl einen der eindrucksvollsten und bildgewaltigsten deutschen Nachkriegsfilme zur Folge.

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.