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Archiv, 25.06.2002

21:00 Uhr ()   

 
Black Box BRD
 
Produktion: Deutschland 2001
Regie: Andres Veiel
Drehbuch: Andres Veiel
Kamera: Jörg Jeshel
Musik: Jan Tilman Schade
Schauspieler: Traudl Herrhausen, Hilmar Kopper, Rainer Grams, Helmut Kohl
Technik: 35 mm, S/W, Farbe, 102 min
 

Was gibt es für Gemeinsamkeiten zwischen einem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und einem RAF-Mitglied im Untergrund, Wolfgang Grams? Auf den ersten Blick nur ihr gewaltsamer Tod. Damit beginnt auch der Film „Black Box BRD„: Bilder von Frankfurt am Main und mitten drin die Türme der Deutschen Bank von einem Helikopter aus. Schnitt. Drei Mercedeswagen der S-Klasse gleiten auf einer Villenstraße voran. Schnitt. Frau Herrhausen berichtet von einem Knall und wie sie beunruhigt ins Auto springt, um ihrem Mann hinterher zu fahren. Schnitt. Die zerstörte Limousine nach dem Attentat. Schnitt. Ein Foto des strahlenden Alfred Herrhausen.
Bad Kleinen. Der Bruder von Wolfgang Grams geht im Bahnhof des Ortes den Weg nach, den sein Bruder genommen haben muss, um Birgit Hogefeld, ebenfalls RAF-Mitglied, zu treffen. Er rekonstruiert die Bewegungen der GSG-9-Beamten, den Schusswechsel, den Fall seines Bruders auf die Gleise, seinen Tod. Szenenwechsel. Ein wackliger Super-8-Film zeigt den jungen, fröhlichen Grams an einem Strand.
Andres Veiel konstruiert keine Opfer-Täter-Beziehung, Veiel klärt nichts auf. Er fragt, er begleitet, er geht Wegen nach. Veiel zeichnet das Doppelporträt zweier Opponenten, deren einzige Begegnung tödlich war, oder es hätte sein müssen, in der starren Logik des Frontenwahns.
In wechselnden, parallel gebauten Passagen erzählt der Film von dem einen, dann wieder dem anderen Protagonisten. Und zeigt zwei Welten, die sich fremder nicht sein könnten. Die Welt eines global players , auf den Bundeskanzler Kohl am Flughafen wartet, um ihn zu einem Wirtschaftstreffen nach Budapest mitzunehmen. Und daneben die Welt des Flüchtlingskinds Wolfgang Grams. Das Kind aus einfachen Verhältnissen mit großer musikalischer Begabung, der als Jugendlicher gegen das "normale" Leben rebelliert, der irgendwie die Welt verbessern will und der sich schließlich dem harten Kern der RAF mit allen Konsequenzen anschließt. Der Film läßt sie zu Wort kommen, die Ver! !
wandten,
die Kollegen, die Freunde, Herrhausens Ehefrau. Und das Bild bleibt ruhig stehen, während sie nach Deutungen suchen, manchmal auch um Fassung ringen.

 
 
 
Hinweis: Die hier gelisteten Filme liefen bzw. laufen demnächst im Hochschulfilmclub der TU Ilmenau. Es liegen keine Kopien der Filme vor. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Händler oder die Videothek Ihres Vertrauens bzw. den entsprechenden Filmverleiher.